(28) Milliardäre, Macht und Monopole. Die Gefahr der Broligarchie – mit Aya Jaff

Shownotes

Vom jungen Tech-Talent zur Tech-Kritikerin – Aya Jaff kennt die Szene von innen und außen, wurde von Insiderin zur Aussteigerin. Im Gespräch mit mir erfahren wir ihre „Villain Origin Story“, von der programmierenden Teenagerin, die Gründer und Startup-Größen als Vorbilder begreift und gar als Poster aufhängt, über ihre schrittweise Desillusionierung über die Realitäten im Tech-Milieu bis zum Ausstieg aus der Welt des Risikokapitals, der Inkubatoren und der endlosen Skalierung. Anlass des Gesprächs ist Ayas Buch „Broligarchie: Die Machtspiele der Tech-Elite und wie sie Fortschritt verhindern“. Es ist ein Buch über Machtkonzentration und Monopole – und ein Buch darüber, wie einzelne Egos, meist Männer-Egos, mit ihrer cyberlibertären Ego-Tour die Gesellschaft nachhaltig beschädigen. Aya und ich reden über KI, über soziale Netzwerke und Digitale Infrastruktur; über die gefährliche Vormachtstellung von Firmen und darüber, warum CEOs nicht automatisch die besseren Politiker sind und schwarze Zahlen nicht gleichbedeutend mit Gemeinwohl. Ihr erfahrt, was „Souveränitätswashing“ ist. Es geht um Neoliberalismus, um amerikanische Psychos und die kaltblütige Welt des Kapitalismus. Apropos Blut: Ihr erfahrt, warum man in der Tech-Szene nicht mal davor zurückschreckt, sich buchstäblich die Hände blutig zu machen (oder andere, meist sehr junge Menschen, dazu zu zwingen). Aya erzählt uns, inwiefern der Tech-Nachwuchs teils wirklich „über Leichen gehen“ muss. Abschließend besprechen wir Möglichkeiten der Broligarchie zu entfliehen und erörtern, wie man trotz Sozialer Netzwerke und selbst angesichts der allgemeinen Elon-Muskisierung des Internets die Hoffnung auf digitale Souveränität nicht aufgeben sollte. Danke für das vielseitige Gespräch, liebe Aya!


Aya Jaff, 1995 im kurdischen Teil des Iraks geboren, brachte sich früh das Programmieren bei und arbeitete schnell in der Welt der Start-ups – als Gründerin, Teilnehmerin namhafter Inkubatoren und mit Zusagen von Investoren für eigene Ideen. Diese Arbeit beendete Jaff, als klar wurde, wie sehr sie Teil derselben Wachstumsmaschine würden, die sie heute kritisiert. Als Autorin des Bestsellers Moneymakers (2020) schrieb sie über die Finanz- und Techwelt. Heute stellt sie größere Fragen: Wer profitiert von Fortschritt, und wie können Wirtschaft und Innovation gerechter werden? Sie war Host der ARD-Sendung »How to get rich, Aya?«, wurde in die Forbes 30 under 30 aufgenommen und ist Max-Planck-Fellow.


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Kommentare (1)

ElOssiPolar

Tolles Gespräch, spannende Einblicke. Wenn Aya schon Mastodon erwähnt, dann hätte ich auch erwartet sie dort zu finden. Würde mich freuen, wenn das bald so ist. Übrigens ist Mastodon kein monolithisches soziales Netzwerk wie Twitter, Insta oder Fakebook. In erster Linie ist Mastodon eine Software, die auf ganz vielen unabhängigen Servern (Instanzen) läuft. Diese können - müssen aber nicht - untereinander kommunizieren, wie auch mit anderen Services in Fedivers. Das macht es dann auch spannend. Ich folge nicht nur Accounts aus meiner Instanz - also meinem Dorf - sondern auch anderen dt. Instanzen oder sogar aus Übersee. Übrigens kann mensch nicht nur über das Webfrontend der Instanz oder die Mastodon-App auf seinen Account zugreifen, sondern über ganz viele alternative Apps. Mit denen ist Mastodon dann nicht mehr so "dröge", wie oft behauptet wird. Was viele allerdings als Nachteil ansehen, es gibt keine Algorithmen, die die Timeline manipulieren. Ich nutze vorwiegend meine Home-Timeline, wo alles - z.T. gefiltert - auftaucht, was von Leute kommt, denen ich folgen. So wie Twitter früher mal funktioniert hat. Darüber hinaus gibt es noch drei andere, Trending - meist geboostete- Lokal - alles auf der eigenen Instanz - und Federated, halt der Rest der rein kommt. Finde ich toll, da ich so die volle Kontrolle habe und nicht von Musk oder Zuckerberg manipuliert werden kann. Jetzt habe ich hier viel geschrieben, was Ihr wahrscheinlich schon wusstet. Wollte Euch damit das Fediverse ans Herz legen. Denn wenn Ihr schon neue, nicht monopolistische Ansätze diskutiert, solltet Ihr auch auf solchen sozialen Netzwerken zugegen sein. Bluesky sehe ich da nicht als Alternative, da da auch wieder Einzelpersonen und mittlerweile auch Investor*innen hinter stehen. In diesem Zusammenhang fand ich auch Ayas Ansatz super, mehr Genossenschaften im Tech-Universum zu fördern. Die EWS ist übrigens auch eine Genossenschaft und für mich unter den Ökostromern die Nummer 1.

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